Marc Hoffmann (ARD-Hörfunkkorrespondent) im Gespräch mit Ulli Wagner und Florian Mayer (SJV/SR): Journalismus im Trump-Zeitalter – Zwischen Schnelligkeit und Sorgfalt

04.05.2018, ein Beitrag von , und

Skype-Schalte mit ARD-Korrespondent Marc Hoffmann

Marc Hoffmann: Hallo!

Florian Mayer: Hallo Marc!

Ulli Wagner: Ich stelle Ihnen diesen Kollegen noch ganz kurz vor: Er stammt aus Berlin, ist einer unserer Jungen, hat in Ilmenau studiert – also viele Homburger kennen Ilmenau ja. Er wusste nicht, dass wir in den 90er-Jahren Wohnwägen dorthin gebracht haben, damit die Kolleginnen und Kollegen vom Freien Wort Redaktionsräume hatten, aber das haben wir getan, das habe ich ihm erzählt in der Vorbereitung hier. Marc hat beim Saarländischen Rundfunk volontiert und hat uns vor zwei Jahren verlassen. Er ist nämlich auf Weltreise gegangen und letztes Jahr ist er wieder zurückgekommen, was uns alle sehr gefreut hat. Bald ging er als ARD-Junior-Korrespondent ins Hörfunkstudio nach Washington. Das ist Marc Hoffmann und der hat uns über Algorithmen und Emotionalität in der Berichterstattung ganz viel zu erzählen.

Florian Mayer: Marc, schön, Dich nochmal zu sehen nach dem Jahr. Das ist glaube ich das erste Mal, dass wir uns nochmal von Angesicht zu Angesicht sehen. Bei Dir ist jetzt gerade Mittag ungefähr, ich habe gerade nochmal gecheckt in meinem Twitter-Account, Trump hat vor fünf Stunden das letzte Mal was getwittert. Das ist ja oft das bestimmende Thema. Was beschäftigt Euch jetzt gerade?

Marc Hoffmann: Nach wie vor ist es das Thema. Also die Schweigegeldzahlungen, die Trump – und das hat er jetzt bestätigt – aus seiner eigenen Tasche an den Porno-Star Stormy Daniels gezahlt hat. Die großen Medien CNN, Fox News, NBC und auch die großen Zeitungen drehen sich den ganzen Tag um dieses Thema. Vor allen Dingen, weil noch so vieles unklar ist.

Florian Mayer: Das bestimmende Thema, Du hast es gesagt, ist Stormy Daniels, die Geschichte um dem Porno-Star, mit dem Trump eine Affäre gehabt haben soll. Er hat wieder per Tweets reagiert. (…) Und er twittert, wie ich mir auch angelesen habe, sehr gerne schon sehr früh in den Morgenstunden. Bei seiner Lieblingssendung Fox and Friends. Und reagiert ja dann auf die Berichte, die News. Wir kennen diese Tweets alle in Großschrift. Wenn so ein Tweet rausgeht, wie gehst Du, wie gehen Deine Kollegen, wie geht Ihr mit sowas um? Was macht ihr dann? Das ist ja erstmal ein offizielles Statement des US-Präsidenten!

Marc Hoffmann: Ja, es hat aber auch lange gedauert, bis sich die Journalisten hier geeinigt haben, ob es nun wirklich als offizielles Instrument, als offizieller Kanal, anerkannt wird. Mittlerweile geht man damit wirklich auch so um. Man nimmt jeden Tweet erstmal ernst. Ich kenne keinen, der die Tweet-Nachrichten nicht auf das Handy als Push-Nachricht bekommt. Und trotzdem habe ich selbst bei mir über die Monate beobachtet, wie man nicht mehr alles so ernst nimmt. Weil vieles von dem, was US-Präsident Trump sagt, twittert, ist schlicht falsch! Faktisch nicht richtig. Manchmal auch sehr wirr. Also da muss man schon ordentlich Interpretationsleistung an den Tag legen, um zu verstehen, was er denn da gemeint hat. Und dann lässt man am Ende doch lieber die Finger weg. Aber trotzdem. Man kommt eigentlich nicht darum herum. Also heute ist ein gutes Beispiel: Trump hat persönlich über Twitter beteuert, klargemacht und bestätigt: Ich habe diese Schweigegeldzahlung aus meiner eigenen Tasche bezahlt.

Ulli Wagner: Aber einfach so? Die Beziehung dementiert er ja immer noch?

Marc Hoffmann: Genau. Das ist so dieser Mittelweg, den sie gerade juristisch versuchen zu gehen. Und alle rätseln, ob es wahrscheinlich nur so eine neue Strategie ist, um quasi den Schaden am Ende zu begrenzen. Aber ich wage mich jetzt mal, ja ich lehne mich mal raus, und wage zu behaupten, dass es nur eine Frage der Tage, der Wochen ist, bis er auch das noch einräumt.

Ulli Wagner: Ich habe, als wir versucht haben, eine Verbindung zu Dir zu herzustellen, hier schon erzählt, dass Du zu denen gehörst, die sehr sorgfältig formulieren. Ich frag‘ mich die ganze Zeit, wie hältst Du das aus, bei einem, der schneller Tweets absetzt, als man denken kann?
Marc Hoffmann: Ja, das stimmt schon. Das bringt einen wirklich zum Schwitzen. Und ganz ehrlich, ohne die Arbeit der großen Platzhirsche hier, New York Times, Washington Post, aber auch CNN, um nur einige zu nennen, wären wir hier aufgeschmissen! Denn die leisten, spätestens seitdem Trump im Amt ist, gigantische Arbeit. Stichwort Fakten-Check: Also die legen wirklich jede Aussage des Präsidenten und auch aus dem Team auf die Goldwaage und recherchieren. Es gibt eigene Rubriken. Zum Beispiel hat die Washington Post eine ganze Seite in der Ausgabe am Sonntag für einen Fakten-Check reserviert, und dann werden Pinocchios vergeben. Also, hat Trump in dieser Woche die Wahrheit gesagt? Fünf Pinocchios – absolute Unwahrheit. Und ja, selten kommt er mit nur einem Pinocchio davon.

Florian Mayer: Ja, Du hast es gerade angesprochen: Washington Post, New York Times, die haben auch personell richtig aufrüsten müssen, um mit dieser ganzen Informationsflut zurecht zu kommen.

Marc Hoffmann: Ja, die haben ordentlich investiert. Und ich fand das ganz interessant. Ich durfte letzten Herbst im September mal in den neuen todschicken Newsroom der Washington Post hier im Washington-Headquarter, in der Zentrale, reinschauen. Die haben wirklich viel Geld in die Hand genommen und haben gesagt, also nicht nur wegen Trump und nicht nur wegen der ganzen Twitterei, sondern überhaupt im digitalen Zeitalter, müssen wir den Journalismus ein bisschen auf den Kopf stellen. (…) Tatsache ist, dass die ganz klar sagen: Internet, digital geht vor. Und die Zeitung, also dieses echte Blatt Zeitung am Ende, das ist überhaupt nicht mehr wichtig. Das ist das, was am Ende nochmal gedruckt wird nebenbei. Aber die Online-Seite, die geht vor. Und die sagen auch, es bringt nichts, sich mit kleinen Themen aufzuhalten, vor allem in der Regionalität. Sie nehmen sich die ganz großen Themen vor. Und die müssen so schnell wie möglich beackert werden. Denn im Netz gilt, nur wenn du ganz schnell präsent bist, wenn du ganz schnell Artikel und Bewegtbild auf der Seite hast, dann wirst du wahrgenommen, dann wirst du geklickt. Das heißt, die buttern wirklich sehr viel Energie und sehr viel Manneskraft und Frauenkraft in diese großen Aufregerthemen und vieles, vor allen Dingen Regionalthemen, bleibtauf der Strecke.

Florian Mayer: Wie hat sich dadurch Deine Arbeit verändert? Wie kriegst Du die Balance zwischen dieser Schnelligkeit und Sorgfalt dann hin? Das wird ja auch von Euch als ARD-Studio in Washington erwartet. Nicht nur von den großen amerikanischen Medien.

Marc Hoffmann: Naja, ich muss dazusagen, ich bin mit Trump quasi erst hierhergekommen. Ich weiß gar nicht so wirklich, wie es vor ihm war. Fakt ist, hier geht ohne Twitter gar nichts. Twitter ist das Recherchetool und ich habe es gerade schon angesprochen, ohne die Großen, ohne New York Times und Washington Post, würden wir die Arbeit hier gar nicht so schaffen. Man muss sich schon oft einfach auf die Fakten-Recherche und das Gegenchecken der Großen verlassen. Dann ist es natürlich nicht so, dass ich nur die New York Times klicke und dann blind abschreibe. Dann kuckt man schon, was machen die anderen und geht das alles in die gleiche Richtung? Also bestätigen sich die Journalisten hier gegenseitig. Aber klar, der Rhythmus ist wahnsinnig. Und nicht nur die Themen, die hier wirklich täglich durchgepfercht werden, sondern auch der ganze Rhythmus hat sich verändert. Also man muss sich vorstellen, Du hast es schon angesprochen, Trump schaut Fox-News wahnsinnig gerne und twittert live, während der Sendung. Und beeinflusst dadurch eigentlich auch wieder die Berichterstattung. Und er hat selbst mal im Interview ziemlich drastisch gesagt: Wenn mir etwas nicht passt, wenn mir mal wirklich jemand auf den Zeiger geht, wenn ich irgendwie ja wieder richtig Stunk habe mit den sogenannten Fake-News, dann nehme ich mein Smartphone in die Hand und dann mache ich bing bing bing und kümmer‘ mich. Also er greift wirklich in das Geschehen ein und erhöht diesen Durchschlag in einer Wahnsinns-Art in einem Wahnsinns-Tempo, wo wir mit unseren sechs Korrespondenten gut zu tun haben, aber wir schaffen es. Es dürften aber auch nicht weniger sein.

Ulli Wagner: Du hast eben gesagt, da bleibt einiges auf der Strecke. Das Regionale, das Lokale erst recht. Wo finden denn solche Berichterstattungen statt oder gibt es die nicht mehr im digitalen Getwitter in den USA, Amerika?

Marc Hoffmann: Na, die gibt es schon. Aber mein Eindruck ist, dass die in der Aufmerksamkeit einfach so ein bisschen hinten runterfallen und nicht auf der Titelseite stattfinden. Und ich versuche mir immer vorzustellen, eine zweifache Mutter, alleinstehend, arbeitet, hat ordentlich viel zu tun im Alltag. Ich kann nicht davon ausgehen, dass sie zwei, drei Stunden am Tag Zeitung liest. Also sie wird sich um die großen Schlagzeilen, um die wichtigsten Nachrichten des Tages kümmern, und wird wahrscheinlich seltener mit solchen Themen zu tun haben. Und ja, New York Times und Washington Post profitieren von Trump. Gerade heute kam raus, die New York Times freut sich über jetzt mittlerweile 2,6 Millionen digitaler Abonnenten weltweit. Doch wenn man mal in die Fläche schaut, also außerhalb von Washington, außerhalb von New York, in die einzelnen Bundesstaaten, da haben die kleineren Zeitungen wirtschaftlich richtig zu knabbern. Und da ist ein großes Sterben. Wir beobachten wirklich diese krasse Konzentration. Wir haben die Großen, denen es gutgeht, die im Trump-Zeitalter, auch in diesem digitalen Twitter-Zeitalter, gut zurechtkommen. Aber der Flächenjournalismus, der hat es tatsächlich schwer. Und es gibt aber auch die Sender wie PBS, die spendenfinanziert sind, die auch gute Kooperationen mit Investigativ-Gruppen haben und die versuchen, Themen aufzugreifen und wirklich in die Langzeitrecherche reinzugehen. Aber das ist aufwändig, das kostet Geld und sie müssen immer wieder auch neues Geld dafür einwerben.

Ulli Wagner: Wie sieht es denn mit so kleinen unabhängigen Medien und Plattformen aus? Ich sage ich jetzt mal wie zum Beispiel The Intercept von Glenn Greenwald, der zum Beispiel auch schon mal hier den Siebenpfeiffer-Preis bekommen hat? Spielen die eine Rolle?

Marc Hoffmann: Die spielen eine Rolle, auf jeden Fall in unserer Recherche. Die sind gebookmarkt, also als Lesezeichen fest jedenfalls bei uns im ARD-Korrespondentenbüro drin. Da kuckt man schon regelmäßig auch drauf. Man nimmt das wahr. Aber ich bin selbstkritisch und ganz ehrlich, die Themen werden wirklich von den Großen gesetzt. Und es ist selten, dass solche Organisationen oder Seiten, zum Beispiel The Intercept, hier wirklich öffentlich wahrgenommen werden. Also auch zitiert werden. Das ist seltener auch der Tatsache geschuldet, dass eben New York Times und Washington Post, und ich muss sie ja immer wieder ansprechen, hier wirklich eine große Arbeit leisten und wirklich viel Journalistenkraft reingeben.

Florian Mayer: Dass die großen Medien gut an Trump verdienen, das hat ja erst kürzlich Michelle Wolf bei diesem, ja, jetzt mittlerweile doch sehr viel Buzz erzeugenden Correspondance-Dinner in ihrem Vortrag angesprochen. Und dafür sehr viel Kritik geerntet. Und alleine auch schon die die Nähe zwischen etablierten Korrespondenten und dem Weißen Haus, die dieses Dinner darstellt. Nimmst Du das wahr? Sind die da eng miteinander verknüpft? Vielleicht auch ein Stück zu eng?

Marc Hoffmann: Das fällt mir schwer einzuschätzen, ob sie zu eng sind. Natürlich, wenn Journalisten im Weißen Haus akkreditiert sind und in diesem Pool angestellt sind, also den Präsidenten täglich begleiten, dann ist da automatisch zumindest eine räumliche Nähe. Ich bin schon überzeugt, dass die Journalisten vor Ort, und das sind wirklich herausragende Kollegen, die hier in den USA auch sehr geschätzt sind, dass die ihre Arbeit schon sauber machen. Interessant ist, dass dieses ganze Thema Nähe, Politik, also Verhältnis Politik und Medien vor allen Dingen auch vom Präsidenten selbst thematisiert wird. Der sich ja auch inszeniert, als der medienferne Präsident, der ganz klar immer wieder über die sogenannten Fake-News spricht. Ich erinnere mich an ein Ereignis. Es war im vergangenen Jahr auf der Konservativen-Konferenz. Da konnte ich Trump persönlich während einer Rede beobachten. Und ich stand da in der hinteren Reihe, zusammen mit den Kollegen von CNN und Co. Und dann hat er wieder ausgeholt. Und hat auf die Fake-Medien geschimpft. Und hat dann wirklich mit dem Finger auf uns dahinten gezeigt. Ich fühlte mich das erste Mal so richtig öffentlich vor seinen Anhängern eingeschüchtert. Und das ist so diese Einschüchterung in Raten. Ich würde nicht sagen, dass ich dadurch unfreier war. Oder dass ich dadurch tatsächlich eingeschüchtert war. Aber das war schon so ein Moment, wo ich dachte, wie dieser Präsident, der mächtigste Mann in den USA zumindest, wirklich auch seine Position, seine Stellung, ausnutzt und gegen die vierte Gewalt aggressiv vorgeht.

Florian Mayer: Du bist ja nicht nur in Washington, Du hast ja auch Geschichten gemacht über diese Opiat-Crisis. Du warst in dieser 48-Stunden-Klinik. Du hast Dich also auch in Amerika selbst rumbewegt, warst quasi draußen und nicht nur in dem etablierten Washington: Das, was Trump da macht, seine Leute quasi gegen die Medien, die ihm nicht passen, so ein bisschen aufhetzen, hast Du das dann da auch erlebt? Bist Du dann in Diskussionen verwickelt worden? Sind dann Leute auf Dich zugekommen?

Marc Hoffmann: Ich persönlich nicht. Ich habe festgestellt, dass diese ganzen Diskussionen, diese Debatten, diese Meta-Themen – also, wie sollte sich ein Präsident aufführen, was sollte er tun, was sollte er nicht tun – außerhalb von Washington kaum eine Rolle spielen. Die Menschen nehmen die großen Themen wahr, beispielsweise die Ankündigung von Trump, mehr für die kleinen Leute zu tun – „America First“ ist ja das Schlagwort. Das spielt eher eine Rolle. Meine Kollegin Martina Buttler, eine Korrespondentin, die hier mit mir arbeitet und auch für die ARD berichtet, die musste mal negative Erfahrungen machen. Die wurde vor einem Jahr in einem Restaurant wirklich verbal angegriffen und heftig beschimpft. Sie hatte gefragt, was halten Sie von Trump? Und sie wurde dann richtig angegiftet: „Wie können Sie es wagen, das sind ja alles Fake-News“, und „Sie sind von vorneherein negativ“… Also, sie hat das am eigenen Leib gespürt. Ich bin mir sicher, wenn ich das Thema anstupsen würde, (…) also wirklich die offene Diskussion suchen würde, dann könnte ich schon ähnliches hören. Auch einfach, weil dieses Land schon seit Jahren, und nicht erst durch Trump, sehr gespalten und wirklich aufgeheizt ist.

Florian Mayer: Geht man dem denn als Journalist eher aus dem Weg?

Marc Hoffmann: Sollte man nicht! Diesen Vorwurf hören wir uns schon seit vielen Monaten an, dass wir so selten einfach diese Diskussion, diese Debatte suchen. Ich kann für uns sagen, und für mich, dass wir – so oft es geht – rausgehen, reisen und schon noch das Gespräch suchen. Aber eben nicht zwanghaft nur im Trump-Kosmos sag‘ ich mal. Weil, es gibt außer Trump hier noch mehr. Es gibt ein anderes Amerika. Es gibt ein anderes Leben. Es gibt so viele Themen, die die Menschen hier beschäftigen. Und wir versuchen eher auch ein Licht darauf zu werfen. (…) Es sind diese Themen, die hinter diesem ganzen Trump-Geschnatter untergehen. Also die Bildungssituation, wie sieht es an den Schulen aus? Diskriminierung. Ich bin jetzt gerade zurzeit an einem Thema dran, mal rauszufinden, oder besser zu verstehen, wie es Veteranen, wie es Soldaten geht, die aus Afghanistan und dem Irak zurückkommen? Wie schwer haben die es hier, Fuß zu fassen? Das sind Themen, die finden immer wieder satt, die werden besprochen, aber im großen täglichen Geraschel – Russlandermittlungen, Stormy Daniels, Porno-Darstellerin – gehen die einfach unter.

Ulli Wagner: Marc, hat sich Dein Selbstverständnis in Deinen Monaten in den USA als Journalist verändert? Und wenn ja, wie?

Marc Hoffmann: Ich bin ein bisschen vorsichtig. Denn man braucht immer ein bisschen Abstand, um es dann auch wirklich in Worte fassen zu können. Aber ich glaube schon: Der Journalismus als vierte Gewalt wird hier ganz anders gelebt. Wird mit sehr viel mehr Stolz auch getragen. Also, was ich hier feststelle, und das fehlt mir manchmal in Deutschland, ist, wie Journalisten auch unter Trump zusammenhalten. Es ist völlig normal, dass ich bei NBC, dem Kabelfernsehn, oder auch CNN Journalisten-Kollegen im Studio sitzen sehe. New York Times-, Washington-Post-Reporter setzen sich sehr gerne zu CNN und berichten gemeinsam über Missstände und die neuesten Trump-Verrenkungen. Weil, wenn es um den Kampf für die Wahrheit geht, das klingt ein bisschen pathetisch, aber letztendlich ist es das ja auch, stehen sie schon zusammen. In Deutschland vermisse ich das so ein bisschen. Stichwort Streit zwischen den Verlagen und dem öffentlichen Rundfunk. Da habe ich immer das Gefühl, dass das eher so ein Kampf gegeneinander ist, statt auch einfach zu sehen, was Journalisten zusammen eigentlich für die Gesellschaft leisten. Also das hat Trump für mich persönlich hier schon gezeigt, wie wichtig funktionierender Journalismus ist. Denn alleine Trump per Twitter zu folgen, das hilft mir nicht weiter. Also dadurch bin ich nicht schlauer. Stimmt das? Stimmt das nicht? Was sind die Hintergründe? Dafür brauche ich Tageszeitungen, dafür brauche ich funktionierende TV-Sender, die offen darüber berichten.

Ulli Wagner: Ich glaube, das gefällt nicht nur Silke Burmester: Zusammenstehen, stolz sein auch auf unseren Job und die Arbeit, die wir machen können, und die Bedeutung, die unsere Arbeit für die Gesellschaft haben kann… Wir freuen uns, dass Du bald zurückkommst und ein bisschen von dem Elan mit hierher bringst. Wir können es glaube ich gut brauchen und sagen Dir herzlichen Dank dafür, dass Du Dir Zeit für uns genommen hast. Nächstes Jahr sehen wir Dich sicher livehaftig.